Toxoplasmose - eine unterschätzte Erkrankung

 

       

Erkrankungen entwickeln sich manchmal über längere Zeit, bis eine eindeutige Diagnose gestellt werden kann. Die Allgemeinmedizin ist hierbei parallel in mehreren Fachgebieten unterwegs und dies ist bei der Diagnosefindung des hier beschriebenen Krankheitsbildes wesentlich. Einzelne Symptome, wie sie in den Fallbeispielen genannt werden, werden von den Patienten häufig angesprochen. Das typische Muster einer aktiven Toxoplasmose zeigt sich jedoch nur, wenn man in der Anamnese möglichst interdisziplinär denkt und entsprechende Nachfragen in das Gespräch mit einfließen lässt.

Die gegenwärtige Medizin kommt nicht gut mit dem entsprechenden Zeitaufwand zurecht; aufgrund des hohen Zeitdruckes in den Krankenhäusern und Praxen, wird eine schnelle Diagnosefindung schwierig. Technische Methoden sind hierzu unverzichtbar, doch neigt man leider manchmal zu der Ansicht, dass die Probleme des Patienten sicher „psychosomatisch“ seien, wenn diese Untersuchungen unauffällige Ergebnisse liefern. Leider ist damit jedes weitere differentialdiagnostische Denken beendet und eine solche Diagnose bleibt regelrecht am Patienten haften.

Die Glaubwürdigkeit des Patienten - unserer besten Informationsquelle - wird leider oft zu gering geschätzt und die Verlässlichkeit technischer Untersuchungsmethoden häufig überschätzt. In der Anamnese ist es hingegen wichtig, unter genauer Kenntnis vieler Erkrankungen, mit breit gefächerten Fragen, das Krankheitsgeschehen möglichst präzise zu erfassen.  Zu diesen Erkrankungen gehört sicher auch die aktive Toxoplasmose, die, wie in dieser Arbeit eingehend beschrieben, auch bei immunkompetenten Patienten schwere Erkrankungen auslösen kann.

Ich war sehr erleichtert als eine Patientin, bei der ich lange nach der Ursache für ihre Beschwerden gesucht hatte, auf eine toxoplasmaspezifische Behandlung mit einer deutlichen Abnahme ihrer Muskelschmerzen und anderen Symptome reagierte und war noch mehr überrascht als mehrere meiner Patienten, mit für mich bislang unklaren Muskelschmerzen und weiteren Symptomen, sehr gut und bis zur Beschwerdefreiheit auf diese Therapien reagierten. Das vermeintliche Hauptkriterium für eine aktive Toxoplasmose, ein positiver IgM Nachweis, fehlte jedoch bei allen Patienten.

Aus den Falldokumentationen entwickelte sich eine eigene Forschungsarbeit. Es stellte sich heraus, dass Toxoplasma IgM überraschend schnell abfallen können und dass seitens der Grundlagenforschung schon seit längerem vermutet und dann auch bewiesen wurde, dass Toxoplasmen auch im „ruhenden“ Stadium Aktivität zeigen und erhebliche Symptome auslösen können. Für nahezu alle der hier geschilderten Krankheitsverläufe konnte ich wissenschaftliche Erklärungen und Belege finden, die entsprechend zitiert werden.

Bei 27 immunkompetenten Patientinnen und Patienten einer allgemeinmedizinischen Praxis mit bisher ungeklärten Symptomen wie unklaren Muskelschmerzen und Müdigkeit, Belastungsdyspnoe bis hin zur manifesten Herzinsuffizienz, rheumaähnlichen Krankheitsbildern und Depressionen wurde eine aktive Toxoplasmose diagnostiziert und indikationsgerecht mit sehr gutem Erfolg behandelt.

Im Laufe dieser Arbeit kam ich immer mehr zu der Überzeugung, dass der sichere Ausschluss einer aktiven Toxoplasmose allein und nur aufgrund von Laborwerten nicht möglich ist. Dies wird unter Nennung der entsprechenden Quellen nachfolgend begründet. Entscheidend für die Diagnose einer behandlungsbedürftigen  Toxoplasmose ist, bis zur Verfügbarkeit verlässlicherer Laborparameter, eine detaillierte Anamnese unter Berücksichtigung der Symptome  einer  aktiven Toxoplasmose. Das  entsprechende  klinische Bild kann mit der hier erarbeiteten und vorgestellten „Checkliste Toxoplasmose“ erfasst werden. Die  Therapien werden detailliert beschrieben.  Ich hoffe, dass ich das Interesse der ärztlichen Kollegen wecken kann. Die Fallbeispiele und Auswertung geben einen Eindruck von der schwerwiegenden Symptomatik  und dem  oft  langwierigen Verlauf dieser  Erkrankung und von der guten Wirksamkeit der entsprechenden Therapien.

Diese Arbeit entstand eigenständig und ohne jegliche Unterstützung oder Zuwendungen Dritter. Die Therapien folgen den anerkannten Behandlungsrichtlinien mit indikationsgerechtem Einsatz der Medikamente. Es bestehen keinerlei Interessenkonflikte.

 

Dr. med U. Auf der Straße

(Der Verfasser ist, nach insgesamt 7 ½ jähriger Ausbildung in Allgemeinmedizin, Innerer Medizin, Chirurgie und Naturheilverfahren, seit 2001 niedergelassener Allgemeinmediziner im nördlichen Ruhrgebiet.)

 

Anmerkung P. Pawlakudis, iWiPo
Eine Reihe von Symptomen, wie Depression, Angstzustände und aggressives Verhalten – oft im Straßenverkehr zu beobachten -  rechtfertigen nicht immer die Annahme, es handle sich um rein psychische Erkrankungen. Diese Diagnose ist im weitesten Sinne nicht per se verkehrt, da sich Toxoplasma Erreger am liebsten im Nervensystem des Wirtes einnisten und dort destruktiv und im Sinne ihrer "Programmierung" wirken.   Mäuse, die mit Toxoplasma gondii infiziert wurden, flüchteten nicht vor Katzen; der Parasit beeinflusste stark ihr Verhalten und schaltete ihr natürliches Fluchtverhalten aus. Die Mäuse wollten regelrecht gefressen werden, weil sich Toxoplasmose gondii Erreger nur im Katzendarm vermehren können. Falls die Leserinnen und Leser dieser Studie ähnliche Symptome, wie unnatürliche Muskelschmerzen, unbegründete Schweißausbrüche, permanente Müdigkeit, vor allem psychosomatische Symptome (Angst, Depression, Aggressivität) an sich entdecken, konsultieren Sie Ihren behandelnden Arzt, resp. Hausarzt, zuerst, um sicher zu gehen, dass eine aktive Toxoplasmose ausgeschlossen ist!