Kein Grund zum Jubeln

Arbeitslosigkeit wird schlicht wegdefiniert

von Prof. Dr. Heinz-J. Bontrup

 

Einige reden schon von Vollbeschäftigung, viele von einem Fachkräftemangel. Die Jubelmeldungen zum deutschen Arbeitsmarkt reißen nicht ab, obwohl seit Mitte der 1970er Jahre in Deutschland eine chronische Massenarbeitslosigkeit vorliegt. Und dies bei einem fast ständigen Export von Arbeitslosigkeit ins Ausland. Die Exportüberschüsse machen es möglich.

Im Ergebnis ein völliges System- und Politikversagen in einer angeblich sozialen Marktwirtschaft! Seit der Wiedervereinigung, mit der die Arbeitslosigkeit noch einmal kräftig zulegte, ist die Massenarbeitslosigkeit nicht im Geringsten gesunken und das entscheidende Arbeitsvolumen nicht gestiegen. Ihren bisherigen Höhepunkt hatte die Arbeitslosigkeit 2005 mit fünf Millionen registrieren Arbeitslosen.

Die tatsächliche Zahl war noch um ein Vielfaches höher, weil schon damals die Arbeitslosenzahlen zu gering ausgewiesen wurden. Mehrere Gesetzesänderungen haben es heute auf die Spitze getrieben. So werden Arbeitslose statistisch schlicht wegdefiniert. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen (zurzeit 2,5 Millionen) muss um fast eine Million erhöht werden. Tatsächlich sind es also 3,5 Millionen Arbeitslose. 
Zählt man dazu noch die Unterbeschäftigten, die gerne Vollzeit arbeiten würden, und die, die es wegen Aussichtslosigkeit aufgegeben haben noch nach Arbeit zu suchen, die stille Reserve, dann sind es rund 7,5 Millionen Arbeitslose in Deutschland. Und die Arbeitslosenquote liegt nicht bei 5,7, sondern realiter bei gut 15 Prozent.

Der sogenannte Erfolg an den Arbeitsmärkten lässt sich deshalb allenfalls aus den seit 2006 rückläufigen Arbeitslosenzahlen und dem Anstieg des Arbeitsvolumens ableiten. Auch dies hat aber eine negative Ursache: Die Produktivitätsrate war im Trend kleiner als die reale Wachstumsrate der Wirtschaft. Das dadurch gestiegene Arbeitsvolumen wurde lediglich über mehr Köpfe verteilt.

In Folge ist die Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigung massiv gestiegen. Die Teilzeitquote lag 1991 bei 17,9 Prozent und 2017 bei 37,8 Prozent. 7,6 Millionen Menschen sind davon in Deutschland betroffen. Das ist fast jeder vierte abhängig Beschäftigte – und die Bezahlung der Arbeit ist hierbei nur mickerig.

Für Jubelmeldungen an den Arbeitsmärkten gibt es demnach keinen Grund!